Yoga Sutras von Patanjali – Eine kurze Einführung #Yoga

Für die meisten Menschen erinnert das Wort “Yoga” an das Bild eines Modells, das auf dem Cover eines Yoga-Magazins in einer Pose erscheint, die für einen Durchschnittspraktiker kaum zu erreichen ist. Yoga wird allgemein als Routine praktiziert, die zur Verbesserung der körperlichen Fitness und manchmal als Mittel zur Stressbewältigung beiträgt. Es wächst das Bewusstsein, dass es effektiv als Therapie bei der Behandlung einer Vielzahl von Krankheiten eingesetzt werden kann, einschließlich Bluthochdruck, Diabetes, Herzerkrankungen usw. Wer schon eine Weile Yoga praktiziert, kann die physischen und physiologischen Vorteile der Praxis bestätigen.

Während alle oben genannten Vorteile sicherlich wünschenswert sind, kennen die meisten Menschen die wahre Bedeutung und den wahren Zweck von Yoga nicht, nämlich “die Fähigkeit, die Schwankungen des Geistes zu kontrollieren”. Diese kurze und prägnante Definition wurde uns vor mehr als dreitausend Jahren von Sage Patanjali in den Yoga Sutras von Patanjali zur Verfügung gestellt. In den Sutras hat Patanjali eine sehr wissenschaftliche und praktische Darstellung der Philosophie und Praxis des Yoga gegeben. Ein sehr wichtiger Abschnitt des Buches beschreibt das, was allgemein als “Ashtanga Yoga” oder die acht Glieder des Yoga bezeichnet wird und praktische Richtlinien zur Erreichung des Ziels der Kontrolle des Geistes enthält.

Heutzutage praktizieren die meisten Menschen das sogenannte Hatha Yoga, das Körperhaltungen (Asanas) und einige Atemtechniken (Pranayama) umfasst. Wie Sie an den acht unten aufgeführten Gliedmaßen erkennen können, sind Asana und Pranayama nur zwei dieser acht Gliedmaßen und tragen dazu bei, eine solide Grundlage für das Erreichen der Ziele des Yoga zu schaffen. Um jedoch eine vollständig integrierte Praxis zu entwickeln und die endgültigen Ziele der Kontrolle über den Geist zu erreichen, müssen alle acht Gliedmaßen in irgendeiner Form in ihre Routine einbezogen werden.

Überblick über Yoga Sutras

Die Yoga Sutras von Patanjali (YSP) sind einer der sechs philosophischen Ströme hinduistischer Philosophieschulen und ein sehr wichtiger Meilenstein in der Geschichte des Yoga. Das Buch besteht aus 195 Aphorismen (Sutras), kurzen, knappen Phrasen, die leicht zu merken sind. Obwohl kurz, ist es eine enorm einflussreiche Arbeit, die für die Yoga-Philosophie und -Praxis heute genauso relevant ist wie zu der Zeit, als sie geschrieben wurde. Die Sutras sind wie folgt in vier Kapitel (pada) unterteilt:

  1. Samadhi Pada: Das erste Kapitel enthält eine Definition und den Zweck von Yoga. Es werden verschiedene Ansätze bereitgestellt, mit denen die Ziele erreicht werden können.
  2. Sadhana Pada: Das zweite Kapitel enthält den praktischen Ansatz zur Erreichung der Ziele des Yoga. In diesem Kapitel gibt der Autor eine Beschreibung der acht Glieder, die als Ashtanga Yoga bezeichnet werden. So wird manchmal auf die Yoga-Sutras Bezug genommen.
  3. Vibhuti Pada: Das dritte Kapitel konzentriert sich auf einige der übernatürlichen Kräfte, die ein erfahrener Yogi möglicherweise erreichen kann.
  4. Kaivalya Pada: Im vierten Kapitel werden die Natur des Geistes und die mentalen Wahrnehmungen, das Verlangen, die Bindung und die Befreiung und das, was darauf folgt, diskutiert.

Die Yoga Sutras von Patanjali werden manchmal auch als “Raja Yoga” oder “Royal Yoga” bezeichnet.

Definition von Yoga

In Sutra 2 des ersten Kapitels hat Patanjali Yoga definiert als

“Yoga ist die Zurückhaltung der Modifikationen des Geisteszeugs”

– Übersetzung von Swami Vivekananda

In nachfolgenden Sutras erklärt Patanjali, dass, sobald der Geist richtig zurückgehalten ist, der “Seher” oder die “Seele, das wahre Selbst” in seiner eigenen wahren Natur ruhen kann. Solange der Geist nicht unter Kontrolle ist, nimmt er weiterhin die Form der “Vrittis” oder der Störungen im Geist an und diese werden zur Ursache menschlichen Leidens. Einfacher ausgedrückt sagt uns diese Definition, dass wir friedlich und glücklich sein können, wenn wir den Geist kontrollieren können; Andernfalls kontrolliert uns der Geist weiterhin und wir bleiben in einem Zustand des Leidens.

Ashtanga Yoga (Acht Glieder des Yoga)

Die acht Glieder des Yoga, wie sie im zweiten Kapitel definiert sind, sind wie folgt:

  1. Yamas (Selbstbeherrschung): Die Yamas sind Richtlinien für den Umgang mit der Außenwelt auf sozialer Ebene. Die fünf Yamas sind: Ahimsa (Gewaltlosigkeit), Satya (Wahrhaftigkeit), Asteya (Nicht-Stehlen), Brahmacharya (Abstinenz), Aparigraha (Nicht-Horten).
  2. Niyamas (Einhaltung): Die Niyamas stellen Richtlinien für Selbstdisziplin dar. Die fünf Niyamas sind: Shoucha (Sauberkeit), Santosha (Zufriedenheit), Tapas (Sparmaßnahmen), Swadhyaya (Studium der heiligen Schriften und Selbststudium) und Ishwara Pranidhana (Hingabe an Gott). Zusammen bieten Yamas und Niyamas einen ethischen und moralischen Kodex, der befolgt werden muss, damit der aufstrebende Yogi eine angemessene moralische Grundlage für seine spirituelle Reise schaffen kann.
  3. Asana (Haltung): Asana bezieht sich auf die sitzende Haltung, die ruhig und bequem sein sollte, damit der Yogi lange Zeit sitzen und meditieren kann.
  4. Pranayama (Atemkontrolle): Pranayama, was wörtlich Dehnen oder Ausdehnen von Prana, der lebenswichtigen Lebenskraft, bedeutet, beinhaltet Atemkontrolle und hilft, den Geist auf Dharana (Konzentration) zu trainieren und vorzubereiten.
  5. Pratyahara (Sinnesentzug): Durch Pratyahara erhält man die Fähigkeit, die Sinne von ihren Objekten zurückzuziehen und so eine perfekte Kontrolle über die Sinne zu erreichen.
  6. Dharana (Konzentration / Fokus): Bei Dharana wird der Geist über lange Zeiträume auf ein einzelnes Konzentrationsobjekt fokussiert.
  7. Dhyana (Meditation): Wenn der Geist ununterbrochen zum Fokusobjekt fließt, tritt der Yogi in den Meditationszustand ein.
  8. Samadhi (totale Absorption): Wenn schließlich sogar das Selbstbewusstsein des Geistes verschwindet und nur das Objekt der Meditation durchscheint, wird es der Zustand des Samadhi genannt. Es ist nur in der höchsten Stufe von “Samadhi”, genannt “Nirbeeja Samadhi” (kernloses Samadhi), wenn der Geist vollständig unter Kontrolle ist und den Yogi in einen Zustand ständigen Friedens und ständiger Ruhe bringt.

Das Hauptaugenmerk von Patanjali liegt auf der Kontrolle des Geistes und der Unterdrückung der Schwankungen des Geistes, die als “Chitta Vrittis” bezeichnet werden. Sobald der Geist ruhig und friedlich ist, etabliert man sich in seiner eigenen wahren Natur.

Eine englische Übersetzung aller 195 Sutras von acht verschiedenen Autoren finden Sie im Blog der Yoga Sutra Study (Link unten). Darüber hinaus sind der Originaltext in der Devanagari-Schrift (die Schrift der Sanskrit-Sprache), die englische Transliteration sowie eine Audio-Wiedergabe jedes Sutra verfügbar.

Inspiriert von Subhash Mittal

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